Die Corona-Pandemie in Deutschland

Die Corona-Pandemie in Deutschland

Corona in Deutschland RKI

Das Diagramm zeigt die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Siehe www.rki.de / COVID-19 in Deutschland / Übersicht / Dashboard. Bei der roten Linie werden die Fälle dem Tag zugeordnet, an dem sie dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet wurden. Auffallend ist der Wochenrhythmus. Die angegebenen Tage sind Sonntage. Dann sind nicht alle Gesundheitsämter besetzt und die Werte am niedrigsten. Bei der grünen Linie werden nur die Fälle berücksichtigt, deren Erkrankungsdatum bekannt ist und diesem zugeordnet. Anfang März ist das weit überwiegend der Fall und es ist abzulesen, dass von der Erkrankung bis zur Meldung eines positiven Tests beim Gesundheitsamt vier bis fünf Tage vergehen. Die Erkrankungen stiegen bis zum 16. März an und gehen seither allmählich immer mehr zurück. Später liegt die grüne Linie unter der roten, weil die meisten Fälle ohne Erkrankungsdatum gemeldet werden. Zum Ende hin sind die Werte beider Kurven wegen des Meldeverzuges unrealistisch niedrig. Erkrankungen werden frühestens nach zwei Tagen an das RKI gemeldet.

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Dieses Diagramm zeigt die täglich bekanntgegebenen Neuinfektionen - ohne Beachtung des Melde- oder Erkrankungsdatums. Die rote Linie verwendet die von Zeit online veröffentlichten Daten, die seit dem 21. März direkt bei den Gesundheitsämtern der Städte und Landkreise abgerufen werden, die grüne Linie ab dem 24. April die Daten des Robert-Koch-Institutes, die täglich als Endpunkt des Diagramms "Fälle kumuliert" im Dashboard abgelesen werden können, aber nicht für frühere Tage abrufbar sind.

Hier lassen sich die Phasen der Entwicklung deutlich erkennen, dargestellt durch die violette Linie. Da die Hochachse logarithmisch skaliert ist, bedeutet eine steigende oder fallende Gerade ein exponentielles Wachstum bzw. einen exponentiellen Zerfall. Ersteres war vom 1. bis 21. März generell und im oberen Teil genau der Fall mit einer Verdoppelungszeit von 2,54 Tagen und einer Reproduktionszahl von 2,98. Das heißt, dass eine infizierte Person nach durchschnittlich vier Tagen, das ist laut RKI die Dauer einer Infektionsgeneration, praktisch drei Personen ansteckte. Das Ende des Anstiegs der Meldungen am 21. März ist fünf Tage später als das Ende des Anstiegs der Erkrankungen am 16. März. Das bestätigt die obige Beobachtung, dass von der Erkrankung bis zu Meldung des positiven Tests beim Gesundheitsamt durchschnittlich vier bis fünf Tage vergehen.

Die zweite Phase ist gekennzeichnet durch ungefähr gleich hohe Zahlen von Neuinfektionen, die im Wochenrhythmus schwanken, und geht bis zum 4. April. Seither nehmen die immer noch wöchentlich schwankenden Zahlen tendenziell ab. Die violette Linie repräsentiert im dritten Abschnitt einen exponentiellen Zerfall mit einer Halbwertszeit von 13 Tagen und einer durchschnittlichen Reproduktionszahl von 0,808.

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Die rote Linie ist dieselbe wie beim vorigen Diagramm. Die violette Linie zeigt, wie die gemeldeten Neunfektionen bei einem ungeänderten Kontaktverhalten der Bevölkerung hochgegangen wären. Acht Tage später, am 29. März, wäre die für den oberen Rand des Diagramms geltende Zahl von täglich 40.000 überschritten worden, die Professor Harald Lesch als Obergrenze für die Belastbarkeit unseres Gesundheitssystems ausgerechnet hat. Glücklicherweise blieben die täglichen Neuinfektionen unter 7.000, wodurch die Intensivstationen durchschnittlich weniger als zu einem Fünftel ausgelastet waren und sind. Der Stopp des exponentiellen Wachstums kam bei den Meldungen am 21. März und bei den Erkrankungen am 16. März. Kann das die Folge des am 14. März in Kraft getretenen Versammlungsverbotes sein? Die ursächlichen Infektionen fanden ja ein paar Tage früher statt. Wenn wir davon ausgehen, dass Infizierte um den Tag ihrer Erkrankung herum am häufigsten weitere Infektionen hervorrufen, sind das vier Tage. Die infektionsgefährlichen Kontakte müssten sich um den 12. März herum stark vermindert haben. Nun sind bereits in der Woche nach dem Sonntag, 8. März, Konzerte, Theateraufführungen und Ähnliches abgesagt worden. Demnach wirkten sich das umsichtige Verhalten der Bevölkerung und das von den politisch Verantwortlichen diskutierte und erlassene Versammlungsverbot zusammen positiv aus. Nachdem die gemeldeten Neuinfektionen am 22. März auf weniger als die Hälfte des Wertes zurückgegangen waren, der bei fortgesetzt exponentiellem Wachstum zu erwarten gewesen wäre, nahmen sie in den Folgetagen wieder zu. Das ist kein Wunder, da die ursächlichen Infektionen aus der Zeit des exponentiellen Wachstums stammten, als es von Tag zu Tag immer mehr Neuinfektionen wie auch Infektiöse gab. Eine Infektionsgeneration von vier Tagen später gehen die Neuinfektionen wieder zurück und bleiben auch wegen der ab 21. März geltenden Kontaktsperre begrenzt. Die spätere Abnahme der Neuinfektionen ist wohl weiteren Vorsichtsmaßnahmen wie dem Tragen von Nasen-Mund-Schutz zuzuschreiben.

Gemeldete und nicht gemeldete Neuinfektionen

Manche der mit dem Coronavirus Infizierten haben keine oder so leichte Symptome, dass sie nicht zum Arzt gehen. Und leicht Erkrankte, die keiner Risikogruppe angehören, wurden vielfach von den Ärzten ohne sie zu testen nach Hause geschickt, wo sie sich unter Vermeidung von Kontakten auskurieren sollen und nur dann wieder melden, wenn sie Atemprobleme bekommen. Denn Corona-Testsets standen nur begrenzt zur Verfügung. Inzwischen wird mehr getestet, ohne dass es zu einem Wiederanstieg der Neuinfektionen gekommen wäre. Auf jeden Fall sind die positiv getesteten und an die Ämter gemeldeten Fälle nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Infektionen, deren Gesamtzahl unbekannt ist. Ist das Anwachsen oder Absinken der gemeldeten Neuinfektionen also überhaupt aussagekräftig über das gesamte Infektionsgeschehen?

Wenn die unerkannt Infizierten gegenüber den positiv getesteten und gemeldeten in der Überzahl sind, verursachen sie einen Großteil aller Infektionen, auch der schwerer verlaufenden. Das Ansteigen oder Abfallen der für das Gesundheitssystem relevanten Zahl der gemeldeten Neuinfektionen hängt folglich vor allem vom Ansteigen oder Abfallen der unerkannt Infektiösen eine Infektionsgeneration früher ab. Da dieser Einfluss ständig besteht, dürften sich die gemeldeten zu allen Infektionen annähernd proportional verhalten.

Herdenimmunität

Eine Pandemie erlischt von selbst, wenn 60 bis 70 Prozent der Leute die Krankheit gehabt haben und dagegen immun sind. 60 Prozent der 83 Millionen Einwohner Deutschlands sind ungefähr 50 Millionen. Bisher wurden rund 180.000 Infektionen gemeldet. Selbst wenn es in Wirklichkeit 10 mal so viele wären, wären erst 3,6 Prozent der Bevölkerung betroffen. Von der Herdinimmunität sind wir also noch weit entfernt. Bis es einen Impfstoff gibt und ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, kann das Virus nur durch Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen in Schach gehalten werden.

P. S. Als Betreuer dieser Website brauche ich wegen Corona derzeit keine Dialogveranstaltungen einzutragen. Stattdessen beschäftige ich mich mit der Ausbreitung des Virus und der Wirksamkeit der staatlichen Gegenmaßnahmen. Karl Berger