Die Corona-Pandemie in Deutschland

Die Corona-Pandemie in Deutschland

Corona in Deutschland RKI

Das Diagramm stellt drei Zahlenreihen für die Corona-Neuinfektionen dar, die vom Robert-Koch-Institut veröffentlicht werden. Bei der blauen Linie sind es die täglich eintreffenden Fallmeldungen. Bei der roten Linie werden die Fälle dem Tag zugeordnet, an dem sie dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet wurden. Auffallend ist der Wochenrhythmus. Die angegebenen Tage sind Sonntage. Dann sind nicht alle Gesundheitsämter besetzt und die Werte am niedrigsten. Bei der grünen Linie werden nur die Fälle berücksichtigt, deren Erkrankungsdatum bekannt ist und diesem zugeordnet.

Anfang März war das weit überwiegend der Fall und es ist abzulesen, dass von der Erkrankung bis zur Meldung eines positiven Tests beim Gesundheitsamt vier bis fünf Tage vergingen. Die Erkrankungen stiegen bis zum 16. März an und gehen seither allmählich immer mehr zurück. Später liegt die grüne Linie unter der roten, weil die meisten Fälle ohne Erkrankungsdatum gemeldet werden. Zum Ende hin sind die Werte beider Kurven wegen des Meldeverzuges unrealistisch niedrig. Erkrankungen werden frühestens nach zwei Tagen an das RKI gemeldet.

Quelle: Die Zahlen der blauen Linie sind aktuell bei https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.... zu finden und nachträglich herunterzuladen mit Links der Form https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsb..., wobei 2020-03-05 für den 5. März 2020, das frühestmögliche Datum, für das gewünschte Datum entsprechend zu ersetzen ist. Die Zahlen der roten und der grünen Linie sind dem Dashboard zu entnehmen, das bei https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html als zweiter Punkt von "Fallzahlen und Epidemiologie" zu finden ist.

Corona in Deutschland Phasen

Dieses Diagramm zeigt die täglich bekanntgegebenen Neuinfektionen - ohne Beachtung des Melde- oder Erkrankungsdatums. Die grüne Linie ist dieselbe wie die blaue im ersten Diagramm mit den Zahlen des Robert-Koch-Institutes. Die rote Linie verwendet die von Zeit online veröffentlichten Daten.

Hier lassen sich die Phasen der Entwicklung deutlich erkennen, dargestellt durch die violette Linie. Da die Hochachse logarithmisch skaliert ist, bedeutet eine steigende oder fallende Gerade ein exponentielles Wachstum bzw. einen exponentiellen Zerfall. Ersteres war vom 1. bis 21. März generell und im oberen Teil genau der Fall mit einer Verdoppelungszeit von 2,54 Tagen und einer Reproduktionszahl von 2,98. Das heißt, dass eine infizierte Person nach durchschnittlich vier Tagen, das ist laut RKI die Dauer einer Infektionsgeneration, praktisch drei Personen ansteckte. Das Ende des Anstiegs der Meldungen am 21. März ist fünf Tage später als das Ende des Anstiegs der Erkrankungen am 16. März. Das bestätigt die obige Beobachtung, dass von der Erkrankung bis zu Meldung des positiven Tests beim Gesundheitsamt durchschnittlich vier bis fünf Tage vergehen.

Die zweite Phase ist gekennzeichnet durch ungefähr gleich hohe Zahlen von Neuinfektionen, die im Wochenrhythmus schwanken, und geht bis zum 4. April. Seither nehmen die immer noch wöchentlich schwankenden Zahlen tendenziell ab. Die violette Linie repräsentiert vom 4. April bis zum 9. Mai einen exponentiellen Zerfall mit einer Halbwertszeit von 13 Tagen und einer durchschnittlichen Reproduktionszahl R = 0,81 und ab dem 9. Mai einen abgeschwächten Zerfall mit einer Halbwertszeit von 22 Tagen und R = 0,88.

Gemeldete und nicht gemeldete Neuinfektionen

Manche der mit dem Coronavirus Infizierten haben keine oder so leichte Symptome, dass sie nicht zum Arzt gehen. Und leicht Erkrankte, die keiner Risikogruppe angehören, wurden vielfach von den Ärzten ohne sie zu testen nach Hause geschickt, wo sie sich unter Vermeidung von Kontakten auskurieren sollen und nur dann wieder melden, wenn sie Atemprobleme bekommen. Denn Corona-Testsets standen nur begrenzt zur Verfügung. Inzwischen wird mehr getestet, ohne dass es zu einem Wiederanstieg der Neuinfektionen gekommen wäre. Auf jeden Fall sind die positiv getesteten und an die Ämter gemeldeten Fälle nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Infektionen, deren Gesamtzahl unbekannt ist. Ist das Anwachsen oder Absinken der gemeldeten Neuinfektionen also überhaupt aussagekräftig über das gesamte Infektionsgeschehen?

Wenn die unerkannt Infizierten gegenüber den positiv getesteten und gemeldeten in der Überzahl sind, verursachen sie einen Großteil aller Infektionen, auch der schwerer verlaufenden. Das Ansteigen oder Abfallen der für das Gesundheitssystem relevanten Zahl der gemeldeten Neuinfektionen hängt folglich vor allem vom Ansteigen oder Abfallen der unerkannt Infektiösen eine Infektionsgeneration früher ab. Da dieser Einfluss ständig besteht, dürften sich die gemeldeten zu allen Infektionen annähernd proportional verhalten.

Herdenimmunität

Eine Pandemie erlischt von selbst, wenn 60 bis 70 Prozent der Leute die Krankheit gehabt haben und dagegen immun sind. 60 Prozent der 83 Millionen Einwohner Deutschlands sind ungefähr 50 Millionen. Bisher wurden rund 180.000 Infektionen gemeldet. Selbst wenn es in Wirklichkeit 10 mal so viele wären, wären erst 3,6 Prozent der Bevölkerung betroffen. Von der Herdinimmunität sind wir also noch weit entfernt. Bis es einen Impfstoff gibt und ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, kann das Virus nur durch Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen in Schach gehalten werden.

P. S. Als Betreuer dieser Website brauche ich wegen Corona derzeit keine Dialogveranstaltungen einzutragen. Stattdessen beschäftige ich mich mit der Ausbreitung des Virus und der Wirksamkeit der staatlichen Gegenmaßnahmen. Karl Berger