Regionaltagung „Situation und Perspektiven im christlich-islamischen Dialog“ in Berlin

Regionaltagung „Situation und Perspektiven im christlich-islamischen Dialog“ in Berlin

Von links nach rechts: Süleyman Kücük, Gönül Kaya, Sabine Seibert, Helmut Ratzlaff, Anna Traub, Ute Suleima Pascher und Angela Bochum

Zusammenfassung der Tagung

Situation und Perspektiven im christlich-islamischen Dialog
am 10. Oktober in der Katholischen Akademie in Berlin

Beginn: 9.30 Uhr, Ende: 16.00 Uhr

Es sind insgesamt 10 Teilnehmer/innen anwesend.

Gastgeberin:
Katrin Visse, Katholische Akademie

Referenten:
Dr. Friedmann Eißler, Referent für Religionen mit Schwerpunkt Islam und interreligiöser Dialog bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin
Ender Cetin, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der DITIB-Sehitlik-Moschee in Neukölln

KCID e. V.:
Ute Suleima Pascher

Frau Visse begrüßt die Gäste und heißt sie im Namen der Akademie willkommen.

Frau Pascher begrüßt die Gäste und führt kurz in den Tagungsablauf ein.

In der anschließenden Vorstellungsrunde haben die Teilnehmerinnen die Gelegenheit sich und ihre Arbeit vorzustellen.

Frau Pascher stellt den KCID und das Projekt PROD!A - aktives Dialogmanagement in Deutschland vor.


Dr. Eißler referiert über den theologisch/theoretischen Ansatz des christlich-islamischen Dialogs (seine Präsentation ist der Dokumentation beigefügt). Der Vortrag ist stichwortartig zusammengefasst.

Vier Ebenen des Dialogs:

  • Dialog des Lebens, nachbarschaftliche Ebene: Was können wir wie miteinander tun?
  • Dialog des Handelns: Wie können wir Räume und finanzielle Möglichkeiten schaffen, die den Dialog ermöglichen?
  • Dialog des theologischen Austauschs: Die Dialogpartner sind Theologen, Islam- und Religionswissenschaftler. Der Focus ist Wertschätzung für den anderen und theologischer Austausch.
  • Dialog der religiösen Erfahrung: gemeinsame Erfahrung, Spiritualität, Gebet, Feste

Quer zu diesen Dialogebenen liegt eine Unterscheidung, die sich aus der Praxis des Dialogs ebenfalls ergibt:

  1. Pragmatisch, nachbarschaftlich, zwischenmenschlich: Die Gemeinschaft steht im Focus, die Suche nach Möglichkeiten des Zusammenlebens = verbindliches Moment
  2. Programmatisch, „Funktionärsebene": Der gesellschaftliche Prozess steht im Focus: Fachleute, die Formulierungen und Weichenstellungen vornehmen: Politik, Migration, Integration = kritisches Moment

Nähe und Distanz

Der Mensch ist vom Grundsatz her dialogisch veranlagt. Jeder hat seinen eigenen Bezugsrahmen, seine eigene Vorgeschichte. Dialog hat mit Nähe und Distanz zu tun.

Distanz ist Voraussetzung im Sinne der klaren Position. Nähe ist Voraussetzung im Sinne des Vertrauens und der menschlichen Verbindung.

Am Zitat von Martin Buber wird dies deutlich:»Der Mensch wird am Du zum Ich."

Jeder Mensch hat sein eigenes Modell in den Dialog zu treten. Dieses Modell ist jedoch von bestimmten Vorgaben gespeist. Dabei spielen religionstheologische Grundentscheidungen eine Rolle. Drei theologische Perspektiven/Modell zur Diskussion.

Das »Zwei-Stufen-Modell", das „Begegnungsmodell" und das „heilsgeschichtliche Modell."

Am Beispiel des Elefantengleichnisses versucht Dr. Eißler Schwierigkeit deutlich zu machen, die Unterschiede der Religionen auf einer theoretischen, übergeordneten Ebene als aufgehoben zu betrachten. Wir haben nicht die Funktion des Radschas - eines Sehenden, der den ganzen Elefanten sieht. Wir haben keinen Gottesstandpunkt. Toleranz beinhaltet, gerade auch die Aufgabe, mit der Konkurrenzsituation von Wahrheitsansprüchen mitmenschlich und konstruktiv für das gemeinsame gesellschaftliche Projekt umzugehen.


Ender Cetin stellt die Arbeit der Sehitlik-Moschee vor.

In Berlin gibt es insgesamt 13 DITIB-Moscheegemeinden.

Dialog mit den Geschwisterreligionen ist im Islam fest verankert. Es ist ein Gebot, Dialog zu führen. Der Prophet Mohammed (der Friede sei auf ihm) hat Christen in der Moschee in Media gewährt zu beten.

Seit 2004 bietet de Sehiøik - Moschee regelmäßige Moscheeführungen an. Mttere ist die Nachfrage so groß geworden, dass es notwendig ist ein Team von 10 Menschen als Moscheeführerinnen auszubilden.

In enger Zusammenarbeit mit der Genezareth-Kirche werden Feste gemeinsam wahrgenommen. Es gibt Einladungen zu Nikolausfeiem, zum Ramadan und zum Opferfest.

In Kooperation mit der Jerusalemkirche werden in Workshops Juden, Christen und Muslime ausgebildet, die den Auftrag haben in Schule und anderen Institutionen aufzutreten, die Religion vorzustellen, bei Konflikten zu vermitteln und als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Es kann durchaus vorkommen, dass ein Muslim und ein Jude zusammen in eine Schulklasse gehen.

NOAH-Boot - in Kreuzberg - eine Kooperation mit IRDiK (Interreligiöser Dialog in Kreuzberg). Auf dem Kanal fuhr ein Floß mit Jugendlichen zu den verschiedenen religiösen Gemeinschaften: Ateviten, Moschee, Kirche und Synagoge und bekamen von dort für ihre Reise eine Botschaft mit, die weiter getragen wurde.

Über die Stiftung Sozialpädagogisches Institut ist Herr Cetin aktiv im Dialog in Charlottenburg. Dort wohnt er mit seiner Familie.

Weiterhin gibt es noch eine Beteiligung bei der Bürgerplattform Wedding.


13.30 Uhr bis 14.30 Uhr Mittagspause

Nach der Mittagspause sind anwesend:
Frau Visse, Katholische Akademie, Frau Günöl und Frau Seifert „Ostkreuz", Mobiles Beratungsteam für Demokratieentwicklung, Menschenrecht und Integration, Frau Traub, Zentrum für interreligiösen Dialog Berlin Moabit e. V., Frau Bochum, Interreligiöses Zentrum Berlin und Frauentee, Herr Kücük, DITIB, Herr Ratzlaff, Ahmadiyya Muslim Jamaat e. V. und Frau Pascher.

Folgende mögliche Fragestellungen haben sich aus der Arbeit am Vormittag ergeben:

  1. Welche Möglichkeiten der Vernetzung haben wir in Berlin?
  2. Wie können wir bei der Vielschichtigkeit des Dialogs und der Beteiligten, die Ziele des Dialogs erkennen? Wer ist alles involviert? Was wollen wir bewirken?
  3. Strukturen und Rahmenbedingungen
  4. Medien - Welche Möglichkeiten haben wir, Öffentlichkeitsarbeit zu so betreiben, dass Dialogarbeit anders wahrgenommen wird? Eben nicht: Bad news are good news.

In der Gruppe wird entschieden, sich mit der Frage nach einem funktionieren Netzwerkaufbau in Berlin zu befassen.

Ausgangsituation: Es gibt sehr viele Gruppen, Aktivtaten und Veranstaltungen, so dass es nicht mehr möglich ist, einen Überblick darüber zu haben.

Welche Ziele verfolgen wir?

  1. Öffentlichkeit erreichen
  2. Erfahrungsaustausch
  3. Voneinander wissen
  4. Voneinander lernen
  5. Was sind brennende Themen vor Ort?
  6. Welche Bedürfnisse gibt es?
  7. Qualität vs. Quantität
  8. Vernetzung über Aktivitäten

Es wird festgestellt, dass bereits in dieser kleinen Runde sehr unterschiedliche Ausgangspositionen sind. DITIB und die Katholische Akademie verfügen über einen großen Bezugsrahmen, haben viele Kontakte und sind sehr bekannt. Die Initiativen arbeiten fast ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis. Diese Situation führt natürlicherweise zur Begrenzung von Ressourcen und die Arbeit, die geleistet werden kann, muss in diesem Kontext immer wieder reflektiert werden. Die Frage ist, wie können wir uns in dieser Unterschiedlichkeit unterstützen?

Zu einer ersten Vernetzung hat diese Tagung geführt. Frau Pascher wird eine Dokumentation der Tagung an alle Teilnehmerinnen versenden. Die Anwesenden sind damit einverstanden, dass diese Dokumentation auch an diejenigen gesendet wird, die heute nicht teilnehmen konnten. Mit der Dokumentation werden die Kontaktdaten der Teilnehmenden verschickt, so dass sie, wie bereits auf der Tagung geschehen, direkt miteinander Kontakt aufnehmen und einander in ihre Einladungsverteiler aufnehmen können.

Über die Homepage des KCID durch die Einträge in die Landkarte des Dialogs - PRODIA sowie durch die Veranstaltungsdatenbank ist es in Zukunft möglich, Informationen über weitere Initiativen und Veranstaltung in Berlin und bundesweit zu finden sowie eigene Veranstaltungen dort kostenfrei zu bewerben.

Frau Pascher versendet weiterhin über ihren Verteiler aktuelle Informationen zum christlich- islamischen Dialog und steht als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Frau Traub, Frau Visse und Herr Kücük werden die Initiative ergreifen und die Teilnehmerin- nen um mit den Teilnehmenden des heutigen Arbeitskreises einen Termin für ein Treffen zu vereinbaren zu dem dann auch andere Akteure des Dialogs eingeladen werden, um über das weitere Vorgehen für den Aufbau eines aktiven Netzwerks in Berlin nachzudenken.

Die Idee, eine große publikumswirksame Veranstaltung gemeinsam zu planen und durchzuführen, wird zugunsten von Überlegungen, die Berliner Netzwerkarbeit überhaupt erst in Gang zu bringen, vertagt.

Köln, 15.10.2009, Ute Suleima Pascher