Heißer Stuttgarter Kirchentag 2015

Heißer Stuttgarter Kirchentag 2015

Drei heiße Tage waren es an unserem KCID-Stand in Zelthalle 1, beim linken Eingang gleich rechts. Das war ein guter Platz mit regem Publikumsverkehr, allerdings am Nachmittag auf der Sonnenseite und deshalb besonders heiß. Das Bild wurde in der Frühe gemacht, als erst nur die Leute mit Mitwirkendenausweisen auf das Gelände durften. Später war alles voll.

Am Mittwoch hatten wir den Stand eingerichtet. Wir brachten laminierte Bilder und Texte zum Standthema "Dialog, damit wir klug werden - gemeinsam für den Frieden!" an den Wänden an, platzierten den Samowar auf dem Kühlschrank, legten das Informationsmaterial aus und versuchten, die beiden Laptops und die Plexiglasröhren für die Tagesfragen unterzubringen. Während wir herumprobierten, erfuhren wir zum Glück, dass wir den Standplatz rechts nebenan kostenlos mitbenutzen durften, da die Betreiber nicht kamen und ein leerer Platz nicht gut aussieht. Das hieß, in einem weiteren Transport noch zwei Tische und zwei Stühle herbeizuschaffen und vom übrigen Material noch einiges dort an die Wände zu kleben. Auf dem Bild sind Frieder Kobler (KCID), Andreas Herrmann (Zentrum Ökumene) und Irene Diakite (beides) zu sehen.

Als ideale Möglichkeit, die vorbeigehenden Leute anzusprechen, erwies sich wieder einmal die Tagesfrage. Diese war am Donnerstag "Kann Dialog den Frieden fördern?", am Freitag "Ist Dialog blauäugig oder macht Dialog klug?" und am Samstag "Stimmen Sie dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Kopftuchverbot zu?" An den beiden ersten Tagen gab es Abstimmungsergebnisse in unserem Sinne wie früher hinter dem Eisernen Vorhang. Die Samstag-Frage musste den Leuten erklärt werden. Wer mit Ja stimmte, war für die Einzelfallprüfung, ob das Kopftuch einer muslimischen Lehrerin den Schulfrieden gefährdet und sie es ablegen muss. Wer mit Nein stimmte, wollte, dass das Kopftuch bei Lehrerinnen entweder immer oder nie getragen werden darf. Das haben wir diese Leute stets gefragt und festgestellt, dass gut doppelt so viele Leute für "immer" waren wie für "nie". Die Ja-Sager lagen zahlenmäßig dazwischen. Auf dem Bild sind links Tezer Güc und als zweiter von rechts Albrecht Fitterer-Pfeiffer zu sehen. Der Gast rechts versucht sich gerade am Quiz und am zweiten Laptop hinter der Ja-Säule konnte die neue Website des KCID eingesehen werden.

Am Donnerstag gab es von 14.30  bis 15.15 Uhr die Marktplatzveranstaltung "Gemeinsam für den Frieden - christlich islamischer Dialog" in der Näher unserer Zelthalle.  Über die Notwendigkeit des Friedens und die Möglichkeiten des Dialogs, dem Frieden zu dienen, diskutierten Abderrahim En Nosse, ehemaliger KCID-Vorsitzender (links)  und Dr. Dr. Tharwat Kades, koptisch-evangelischer Pfarrer i. R. (rechts) mit Andreas Herrmann vom Ökumenischen Zentrum Frankfurt. Von den Zuhörern saßen nur die Harten in der Sonne, ...

... die anderen drängten sich in den Schatten des Zeltes gegenüber, ...

... auch unsere christliche Vorsitzende, Irene Diakite, und ihre Vorgängerin im Amt, Susanna Faust Kallenberg.

Die Frage, ob Christen und Muslime an denselben Gott glauben, beantwortete Pfarrer Dr. Dr. Kades als geborener Kopte authentisch damit, dass die arabischen Christen selbstverständlich Allah anbeten, weil Allah das arabische Wort für Gott ist. Die Gottesbilder der beiden Religionen sind verschieden, aber Gott ist derselbe. Darauf konnten wir in manchem Gespräch mit islamkritischen Leuten hinweisen.

Ein hoher Besuch an unserem Stand war der der stellvertretenden Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf (links). Sie schaute bei uns nach einem ihrer Stände, weil der vom KCID betriebene Stand vom Zentrum Ökumene der EKHN angemeldet worden war.

In einer Ecke konnte man sich zu einem Gespräch, zu einem Glas Wasser oder Tee oder einfach zum Ausruhen niederlassen. Hier spricht Abdlqalq Azrak, unser muslimischer Vorsitzender, mit Herrn Al Radwany von der CIBZ Stuttgart. Dass Muslime mit am Stand waren, war sehr wichtig. Als ein Besucher meinte: "Was der IS macht, steht im Koran.", wies ihn Herr Azrak auf die Geschichte hin. Als die Spanier die Mauren aus Andalusien vertrieben und die Juden mit, schickte der Sultan Schiffe, um die Juden nach Istanbul zu holen, wo sie sich ansiedeln und Synagogen gründen durften. Erst sollte man die Geschichte zur Kenntnis nehmen, dann kann man darüber diskutieren, wie einzelne Koranstellen zu verstehen sind.