Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft Marl ausgezeichnet

Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft Marl ausgezeichnet

Am 31. Mai diesen Jahres haben die CIAG Marl und die jüdische Kultusgemeinde Recklinghausen/Marl als Träger des jährlichen Abrahamsweges in Marl von der Pax Christi im Bistum Münster den Johannes-XXIII.-Preis erhalten. Wir vom KCID freuen uns mit der CIAG Marl, die Mitglied bei uns ist, über diese wohlverdiente Ehrung.

Neben dem Titelblatt der Verleihungsurkunde ist die Widmung wiedergegeben, die  Loris Francesco Capovilla der katholischen Friedensbewegung Pax Christi in der Diözese Münster zukommen ließ. Capovilla war der Privatsekretär von Papst Johannes und lebt hochbetagt in dessen Heimatdorf. Die Widmung lautet in deutscher Übersetzung:

"Ich fühle große Freude und spende der Pax Christi der Diözese Münster von ganzem Herzen Beifall für die erste Verleihung eines Preises in Erinnerung an den großen Papst des Konzils und des Friedens Johannes XXIII.

Es ist gut, die Menschenfreundlichkeit des guten Papstes nicht zu vergessen, seine Initiativen mit dem 'Aggiornamento', seine Botschaft des Friedens mit 'Pacem in terris' und sein Bestreben, die Kirche als 'Kirche der Niedrigen' anzusehen.

Seine Tätigkeit für die Brüderlichkeit zwischen allen menschlichen Wesen und zwischen den Völkern sowie sein Appell für den Frieden und den guten Willen zeigen noch immer den Weg der Nachfolge.

Ich grüße und segne Pax Christi in der Diözese Münster von Herzen und entbiete allen zukünftigen Preisträgern meine Glückwünsche.

Sotto il Monte, 13. 10. 2010

Loris Francesco Capovilla"

Der Preis wurde den Trägern des Abrahamsweges Marl verliehen, weil sie seit Jahren einen eindruckvollen Beitrag dafür leisten, die Würde jedes Menschen unabhängig von seiner Herkunft oder Religion zu achten, die Verbundenheit untereinander zu fördern und Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Eberhard Ockel von Pax Christi schreibt über die Verleihungsfeier:

"Am 31. Mai 2015 begann in der Katholischen Akademie Franz-Hitze-Haus um 15 Uhr das Event, das zahlreiche Vertreter der islamischen, jüdischen und christlichen Gemeinden und Friedensfreunde versammelte. Zum dritten Mal wurde der Preis von Pax Christi im Bistum Münster verliehen, der für Personen und Organisationen bestimmt ist, die im Sinne des Konzilpapstes sich für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Anreger und Initiator des Preises ist der im Januar verstorbene langjährige Friedensarbeiter für Pax Christi im Bistum Münster, Ernst Dertmann. Hermann Flothkötter, Geschäftsführer von Pax Christi Münster, der den ersten Teil des Programms moderierte, rief zu einer Schweigeminute für Ernst Dertmann auf.
Hermann Flothkötter übernahm die Begrüßung der Gäste, unter diesen Herr Gezer, Generalkonsul des türkischen Konsulates, und übermittelte zahlreiche Glückwünsche von verschiedenen Ministern, Staatsekretären und Vertretern der drei Religionen. Auch die Ministerpräsidentin des Landes NRW, Hannelore Kraft, hat mit einem schriftlichen Grußwort die Bedeutung des Preisträgers unterstrichen. Veronika Hüning, Geistliche Beirätin von Pax Christi Münster, begründete in ihrer Laudatio, warum die Wahl des 12-köpfigen Preisbeirates einstimmig auf die CIAG (Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft Marl) sowie die Jüdische Kultusgemeinde Recklinghausen/Marl gefallen ist. Angestoßen von Pfarrer Hartmut Dreier in Marl besteht diese interreligiöse Gesprächs- und Projektgemeinschaft seit 1984. Seit 2001 veranstaltet sie mit der Jüdischen Kultusgemeinde Jahr für Jahr die Abrahamswege und das Abrahamsfestmahl mit Gesprächsangeboten für suchende und religiöse Menschen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – im Dienst am friedlichen Miteinander der Menschen in Marl. Sie zieht auch Gruppen und Organisationen aus dem überregionalen Raum an. Gemeinsam ist ihnen als religiöse Wurzel das Gedenken an den in allen drei Buchreligionen verehrten Stamm- und Glaubens-Vater Abraham.
Der Diözesanvorstand von Pax Christi überreichte die Urkunde, deren Text Gisela Hinricher vortrug, und Matthias Lauks überreichte die mit dem Preis verbundene Bronzebüste von Papst Johannes XXIII. Die Musiker am Klavier und am Saxophon, Frank Schiweck und Antonio D'Amico, umrahmten die Feier, die allen Beteiligten die Möglichkeit zur Vorstellung bot. Die bunte Mischung des Programms ließ Raum für staunenswerte Kreativität und kulturelle Vielfalt: Unglaublich beeindruckend und in seiner einfachen Choreografie schockierend wirkte das stumme Spiel von SchülerInnen der Heinrich-Kielhorn-Schule Marl (angeleitet von ihrem Lehrer Rüdiger Röhse), die mit schlichten Mitteln die Abwehr von Flüchtlingen im Mittelmeer vor Lampedusa durch die EU darstellten.
Christine Hoffmann, Generalsekretärin von Pax Christi Deutschland, war aus Berlin gekommen und übernahm in launiger und kenntnisreicher Moderation das Interview mit den religiösen Gemeinschaften, mit Dr. Mark Gutkin und Isaak Tourgmann für die Juden, mit Beatrix Ries und Jens Flachmeier für die Christen sowie mit Mona Lihedheb und Ali-Osman Sen für die Moslems. Wie ein roter Faden durchzog das Interview die besonders aufgeschlossene und gesprächsoffene Haltung der SprecherInnen und OrganisatorInnen.
Den zweiten Teil moderierte Dr. Ferdinand Kerstiens, langjähriger katholischer Pfarrer in Marl, der hauptsächlich die Vorbereitung der Verleihungsfeier übernommen hatte. Es ging darum, in einer gottesdienstähnlichen Feier Texte aus den heiligen Schriften und Lieder der drei Religionen zu hören. Dabei durfte auch die kleine Muslima Rahma vom "Friedensweg Marl" mit einem zweisprachigen Lied aus der Grundschule nicht fehlen.
Zur Lesung zentraler Texte über Abraham aus der Tora durch den Kantor Isaac Tourgmann sang das Vokalensemble der Jüdischen Kultusgemeinde Kreis Recklinghausen unter Leitung von Nicolai Miassojedov; nach der Lesung des Magnifikat aus dem Lukas-Evangelium durch Roland Wanke sang der ökumenische Projektchor Marl unter Leitung von Charlotte Charlier zwei Lieder, die er eigens für diese Feier eingeübt hatte. Nach der Lesung aus dem Koran, ins Deutsche übersetzt von Muhammet Catmak, und dem Ilahi-Gesang durch Süleyman Duran wurde das Gebet der Vereinten Nationen gemeinsam gesprochen.
Zwischendurch wurde zur Auflockerung auch gemeinsam gesungen: Der Kanon "Und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens" schloss die Überreichung des Preises ab und das bekannte Lied "Hevenu schalom alechem" wurde dreisprachig auf Hebräisch, Deutsch und Türkisch gesungen. Alle Gäste und Besucher konnten sich abschließend an einem vegetarischen Imbiss aus Schafskäse, Brötchen, Käse, Oliven und Paprika sowie Äpfeln, Birnen und Trauben stärken und dabei über die Eindrücke ins Gespräch kommen und sich interreligiös anstecken lassen.
Gegen 19 Uhr klang der inhaltsreiche, kulturübergreifende und spirituelle Nachmittag aus, dessen Anlass, die Preisverleihung, hoffentlich zur Ermutigung und Unterstützung der Geehrten beiträgt, aber auch zu Nachahmungen führt."

Die Preisverleihung fand öffentliches Interesse. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Ministerin Sylvia Löhrmann, Minister Guntram Schneider und der Bürgermeister von Marl, Werner Arndt, sandten Grußworte. Diese und die Laudatio von Veronika Hüning, der geistlichen Beirätin von Pax Christi Münster, sind auf der Website abrahamsfest-marl.de nachzulesen.

Inzwischen ist das 15. Abrahamsfest in vollem Gange. Bisheriger Höhepunkt war der Vortrag des islamischen Theologen Mouhanad Khorchide zum Thema "Abraham - aus muslimischer Sicht", siehe abrahamsfest-marl.de.

Hier das Veranstaltungsprogramm und ein Bericht über die Finnisage der Medien-Video-Kunstaustellung zum Herunterladen:

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